
Musterbeitrag
ReportageSonnenberg · Graubünden · 28. Dezember 2026
Die Bühne steht im Schnee
In Zusammenarbeit mit Snow Sound Festival, Sonnenberg-Arena und Hotel Bergkristall
Tagsüber Piste, abends Konzert auf 2000 Metern: Wir waren beim letzten Snow Sound Festival hinter der Bühne — bei Technikern, die Kabel im Schnee verlegen, und einem Publikum in Skischuhen.
Text Redaktion First TracksFotos Unsplash8 Min. LesezeitIm Heft · 4 Seiten →
Drei Tage vor dem ersten Konzert steht auf der Wiese an der Bergstation noch nichts ausser Schnee. Dann kommen die Pistenfahrzeuge. Sie walzen eine Fläche, so gross wie zwei Fussballfelder, schieben einen Wall auf, der später der Zuschauerhang sein wird, und machen den Boden so hart, dass ein Lastwagen darauf fahren könnte. Lastwagen fahren aber keine. Alles, was auf diesem Berg eine Bühne werden soll, kommt mit der Gondel herauf, Kabine für Kabine.
Luca ist Produktionsleiter des Snow Sound Festivals, und er hat für diese drei Tage einen Plan, der aussieht wie ein Fahrplan der SBB. Wann welche Traverse in welcher Kabine nach oben fährt, wer sie oben in Empfang nimmt, wo sie hingeschleppt wird. Die Lautsprechertürme kommen in Teilen, die Bühnenplatten einzeln, das Lichtpult in einer gepolsterten Kiste, die zwei Leute auf dem Schoss halten. «Ein Festival im Tal baut man in einem Tag auf», sagt Luca. «Hier oben brauchen wir drei. Und wir beten jeden davon um gutes Wetter.»
Im letzten April hatten sie Glück. Drei Tage Sonne, Nächte mit minus fünf Grad, und Schnee, der noch so gut war, dass die meisten Besucher den Vormittag auf der Piste verbrachten und erst am Nachmittag in Skischuhen vor die Bühne stapften.
Das Festival gibt es seit elf Jahren. Angefangen hat es mit einer Band aus dem Dorf, die zum Saisonschluss auf der Terrasse der Mittelstation spielte, vor zweihundert Leuten und einer Bierbank. Heute sind es drei Bühnen, sechzig Konzerte und Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz. Die Grösse hat das Festival trotzdem nicht verändert, sagt Luca, jedenfalls nicht im Kern. Die Bands spielen ohne Gage-Wettrüsten, die Tickets sind an den Skipass gebunden, und wer abends feiern will, muss tagsüber Ski fahren. So war es gedacht, und so soll es bleiben.

Kabel bei minus zehn Grad
Die grösste Herausforderung ist nicht die Höhe, sondern die Kälte. Kabel werden steif und brechen, wenn man sie knickt. Akkus verlieren in der Nacht die Hälfte ihrer Kraft. Instrumente verstimmen sich zwischen Soundcheck und Konzert, weil die Temperatur um zehn Grad fällt. Nina ist Tontechnikerin und arbeitet seit fünf Jahren am Festival. Sie wickelt jedes Mikrofonkabel nach dem Soundcheck in eine Wärmedecke und lagert die Funkstrecken in einer beheizten Kiste neben dem Pult. «Im Tal hast du andere Probleme», sagt sie. «Hier oben ist jedes Problem kalt.»
Die Musiker kennen das inzwischen. Gitarristen spielen mit Handschuhen, bei denen die Fingerspitzen abgeschnitten sind. Die Schlagzeuger wärmen die Felle vor dem Auftritt mit einem Heizstrahler. Und die Sängerinnen trinken Ingwertee mit Honig, den das Hotel Bergkristall literweise in Thermoskannen hinter die Bühne bringt. Und niemand beschwert sich. Es ist ein Festival, das man hört, aber auch eines, bei dem man sieht, wie viel Einsatz in jedem Ton steckt.
Hinter der Bühne gibt es einen Raum, den alle nur die Wärmestube nennen. Es ist ein ehemaliger Materialraum der Bergbahn, mit einem Holzofen, einem Sofa, das schon bessere Tage gesehen hat, und einem Tisch voller Thermoskannen. Hier wärmen sich die Musiker vor dem Auftritt, die Techniker nach dem Abbau und manchmal auch ein Pistenpatrouilleur, der zufällig vorbeikommt. Man trifft sich zwischen Menschen, die sich sonst nie begegnen würden: ein Schlagzeuger aus Berlin, ein Pistenfahrzeugfahrer aus dem Tal, eine Sängerin aus Lausanne. Geredet wird über das Wetter. Hier oben ist das kein Smalltalk.


Ein Publikum in Skischuhen
Wer zum ersten Mal hier ist, erkennt man an den Schuhen. Die Erfahrenen kommen in Skischuhen, weil sie direkt von der Piste kommen und weil Skischuhe auf hartem Schnee den besten Halt geben. Die anderen versuchen es mit Turnschuhen und wechseln nach einer Stunde in die Moonboots, die der Festivalshop für genau diesen Moment verkauft. Wer friert, und das sind nach Sonnenuntergang fast alle, holt sich am Stand der Dorfsennerei eine Portion Raclette, das direkt vom Laib auf das Brot geschabt wird. Getanzt wird trotzdem, auch wenn es aussieht wie eine Mischung aus Konzert und Polonaise im Tiefschnee.
Das Programm folgt dem Licht. Am Nachmittag spielen die leiseren Bands auf der Sonnenterrasse der Mittelstation, akustisch, mit Blick auf das Tal. Wenn die Sonne untergeht, verlagert sich alles zur Hauptbühne an der Bergstation, und mit der Dunkelheit wird die Musik lauter. Die letzte Gondel ins Tal fährt an Festivaltagen um ein Uhr nachts, und sie ist jedes Mal so voll, dass in den Kabinen weitergesungen wird.
Für den Sonnenberg ist das Festival der Abschluss der Saison, und es fühlt sich auch so an. Die Pisten sind am Morgen hart und werden gegen Mittag weich und sulzig, der Schnee auf den Terrassen schmilzt in der Sonne, und überall stehen Liegestühle, in denen Menschen sitzen, die nicht mehr fahren wollen, sondern nur noch schauen. Viele kommen jedes Jahr, mit Freunden, mit Kindern, manche schon zum zehnten Mal. Für sie ist das Festival kein Ereignis, sondern ein Termin im Kalender, wie Weihnachten. Nur mit Skischuhen.
Der Abend, an dem das Tal mitfeiert
Am letzten Abend ist das Festival nicht mehr nur ein Festival. Die Dorfmusik spielt zur Eröffnung, die Skilehrer fahren mit Fackeln den Hang hinunter, und aus den Hotels kommen auch die Gäste, die eigentlich nur wegen des Schnees gebucht hatten. Um elf Uhr steht das halbe Tal am Zuschauerhang. Als die letzte Band ihren letzten Song spielt, zündet jemand am Rand eine Wunderkerze an, dann noch einer, und am Ende leuchten Hunderte kleine Funken in der Kälte.
Luca steht in diesem Moment nicht vor der Bühne, sondern dahinter, mit einem Funkgerät in der Hand, und schaut auf den Plan für den Abbau. Er beginnt um zwei Uhr nachts. Bis Dienstag muss die Wiese wieder eine Wiese sein, damit die Pistenmaschinen den Hang für die letzte Skiwoche präparieren können. Ob es sich lohnt, all das? Luca lacht. Die Vorverkäufe für das nächste Jahr haben im Dezember begonnen. Die ersten tausend Tickets waren in einer Woche weg.
Was es braucht
Das Festival findet jedes Jahr am ersten Aprilwochenende statt, zum Saisonschluss am Sonnenberg. Das Festivalband gilt als Skipass für alle drei Tage. Übernachtet wird im Tal oder, wer früh bucht, im Hotel Bergkristall an der Talstation. Warme Schichten sind Pflicht, auch wenn der Tag sonnig war: Nach Sonnenuntergang fällt die Temperatur auf 2000 Metern innerhalb einer Stunde unter null.
Gut zu wissen
- Wann
- 3. bis 5. April, zum Saisonschluss
- Wo
- Bergstation, Mittelstation und Dorfplatz
- Preis
- Ab CHF 249, Festivalband mit 3-Tages-Skipass
- Letzte Gondel
- An Festivaltagen um 1 Uhr nachts
Drei Tage vor dem ersten Konzert steht auf der Wiese an der Bergstation noch nichts ausser Schnee. Dann kommen die Pistenfahrzeuge. Sie walzen eine Fläche, so gross wie zwei Fussballfelder, schieben einen Wall auf, der später der Zuschauerhang sein wird, und machen den Boden so hart, dass ein Lastwagen darauf fahren könnte. Lastwagen fahren aber keine. Alles, was auf diesem Berg eine Bühne werden soll, kommt mit der Gondel herauf, Kabine für Kabine.
Luca ist Produktionsleiter des Snow Sound Festivals, und er hat für diese drei Tage einen Plan, der aussieht wie ein Fahrplan der SBB. Wann welche Traverse in welcher Kabine nach oben fährt, wer sie oben in Empfang nimmt, wo sie hingeschleppt wird. Die Lautsprechertürme kommen in Teilen, die Bühnenplatten einzeln, das Lichtpult in einer gepolsterten Kiste, die zwei Leute auf dem Schoss halten. «Ein Festival im Tal baut man in einem Tag auf», sagt Luca. «Hier oben brauchen wir drei. Und wir beten jeden davon um gutes Wetter.»
Im letzten April hatten sie Glück. Drei Tage Sonne, Nächte mit minus fünf Grad, und Schnee, der noch so gut war, dass die meisten Besucher den Vormittag auf der Piste verbrachten und erst am Nachmittag in Skischuhen vor die Bühne stapften.
Das Festival gibt es seit elf Jahren. Angefangen hat es mit einer Band aus dem Dorf, die zum Saisonschluss auf der Terrasse der Mittelstation spielte, vor zweihundert Leuten und einer Bierbank. Heute sind es drei Bühnen, sechzig Konzerte und Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz. Die Grösse hat das Festival trotzdem nicht verändert, sagt Luca, jedenfalls nicht im Kern. Die Bands spielen ohne Gage-Wettrüsten, die Tickets sind an den Skipass gebunden, und wer abends feiern will, muss tagsüber Ski fahren. So war es gedacht, und so soll es bleiben.
- Höhe der Hauptbühne
- 2000 mHöhe der Hauptbühne
- Bühnen, drei Tage, ein Tal
- 3Bühnen, drei Tage, ein Tal
- Beim letzten Konzert, um Mitternacht
- −5 °CBeim letzten Konzert, um Mitternacht
Kabel bei minus zehn Grad
Die grösste Herausforderung ist nicht die Höhe, sondern die Kälte. Kabel werden steif und brechen, wenn man sie knickt. Akkus verlieren in der Nacht die Hälfte ihrer Kraft. Instrumente verstimmen sich zwischen Soundcheck und Konzert, weil die Temperatur um zehn Grad fällt. Nina ist Tontechnikerin und arbeitet seit fünf Jahren am Festival. Sie wickelt jedes Mikrofonkabel nach dem Soundcheck in eine Wärmedecke und lagert die Funkstrecken in einer beheizten Kiste neben dem Pult. «Im Tal hast du andere Probleme», sagt sie. «Hier oben ist jedes Problem kalt.»
Die Musiker kennen das inzwischen. Gitarristen spielen mit Handschuhen, bei denen die Fingerspitzen abgeschnitten sind. Die Schlagzeuger wärmen die Felle vor dem Auftritt mit einem Heizstrahler. Und die Sängerinnen trinken Ingwertee mit Honig, den das Hotel Bergkristall literweise in Thermoskannen hinter die Bühne bringt. Und niemand beschwert sich. Es ist ein Festival, das man hört, aber auch eines, bei dem man sieht, wie viel Einsatz in jedem Ton steckt.
Hinter der Bühne gibt es einen Raum, den alle nur die Wärmestube nennen. Es ist ein ehemaliger Materialraum der Bergbahn, mit einem Holzofen, einem Sofa, das schon bessere Tage gesehen hat, und einem Tisch voller Thermoskannen. Hier wärmen sich die Musiker vor dem Auftritt, die Techniker nach dem Abbau und manchmal auch ein Pistenpatrouilleur, der zufällig vorbeikommt. Man trifft sich zwischen Menschen, die sich sonst nie begegnen würden: ein Schlagzeuger aus Berlin, ein Pistenfahrzeugfahrer aus dem Tal, eine Sängerin aus Lausanne. Geredet wird über das Wetter. Hier oben ist das kein Smalltalk.

Ein Publikum in Skischuhen
Wer zum ersten Mal hier ist, erkennt man an den Schuhen. Die Erfahrenen kommen in Skischuhen, weil sie direkt von der Piste kommen und weil Skischuhe auf hartem Schnee den besten Halt geben. Die anderen versuchen es mit Turnschuhen und wechseln nach einer Stunde in die Moonboots, die der Festivalshop für genau diesen Moment verkauft. Wer friert, und das sind nach Sonnenuntergang fast alle, holt sich am Stand der Dorfsennerei eine Portion Raclette, das direkt vom Laib auf das Brot geschabt wird. Getanzt wird trotzdem, auch wenn es aussieht wie eine Mischung aus Konzert und Polonaise im Tiefschnee.
Das Programm folgt dem Licht. Am Nachmittag spielen die leiseren Bands auf der Sonnenterrasse der Mittelstation, akustisch, mit Blick auf das Tal. Wenn die Sonne untergeht, verlagert sich alles zur Hauptbühne an der Bergstation, und mit der Dunkelheit wird die Musik lauter. Die letzte Gondel ins Tal fährt an Festivaltagen um ein Uhr nachts, und sie ist jedes Mal so voll, dass in den Kabinen weitergesungen wird.
Für den Sonnenberg ist das Festival der Abschluss der Saison, und es fühlt sich auch so an. Die Pisten sind am Morgen hart und werden gegen Mittag weich und sulzig, der Schnee auf den Terrassen schmilzt in der Sonne, und überall stehen Liegestühle, in denen Menschen sitzen, die nicht mehr fahren wollen, sondern nur noch schauen. Viele kommen jedes Jahr, mit Freunden, mit Kindern, manche schon zum zehnten Mal. Für sie ist das Festival kein Ereignis, sondern ein Termin im Kalender, wie Weihnachten. Nur mit Skischuhen.
«Im Tal hast du andere Probleme. Hier oben ist jedes Problem kalt — und jedes Konzert ein kleines Wunder.»


Der Abend, an dem das Tal mitfeiert
Am letzten Abend ist das Festival nicht mehr nur ein Festival. Die Dorfmusik spielt zur Eröffnung, die Skilehrer fahren mit Fackeln den Hang hinunter, und aus den Hotels kommen auch die Gäste, die eigentlich nur wegen des Schnees gebucht hatten. Um elf Uhr steht das halbe Tal am Zuschauerhang. Als die letzte Band ihren letzten Song spielt, zündet jemand am Rand eine Wunderkerze an, dann noch einer, und am Ende leuchten Hunderte kleine Funken in der Kälte.
Luca steht in diesem Moment nicht vor der Bühne, sondern dahinter, mit einem Funkgerät in der Hand, und schaut auf den Plan für den Abbau. Er beginnt um zwei Uhr nachts. Bis Dienstag muss die Wiese wieder eine Wiese sein, damit die Pistenmaschinen den Hang für die letzte Skiwoche präparieren können. Ob es sich lohnt, all das? Luca lacht. Die Vorverkäufe für das nächste Jahr haben im Dezember begonnen. Die ersten tausend Tickets waren in einer Woche weg.
Ein Festivaltag am Sonnenberg
- 9.00Erste Bahn: Pisten am Vormittag, so lange der Schnee hält.
- 14.00Akustik-Sessions auf der Sonnenterrasse der Mittelstation.
- 18.30Sonnenuntergang, die Hauptbühne öffnet.
- 21.00Headliner an der Bergstation, 2000 m über Meer.
- 1.00Letzte Gondel ins Tal — es wird weitergesungen.

Was es braucht
Das Festival findet jedes Jahr am ersten Aprilwochenende statt, zum Saisonschluss am Sonnenberg. Das Festivalband gilt als Skipass für alle drei Tage. Übernachtet wird im Tal oder, wer früh bucht, im Hotel Bergkristall an der Talstation. Warme Schichten sind Pflicht, auch wenn der Tag sonnig war: Nach Sonnenuntergang fällt die Temperatur auf 2000 Metern innerhalb einer Stunde unter null.
Gut zu wissen
- Wann
- 3. bis 5. April, zum Saisonschluss
- Wo
- Bergstation, Mittelstation und Dorfplatz
- Preis
- Ab CHF 249, Festivalband mit 3-Tages-Skipass
- Letzte Gondel
- An Festivaltagen um 1 Uhr nachts
Unser Tipp
In Skischuhen zum Konzert und die Turnschuhe im Spind an der Talstation lassen. Auf dem gewalzten Schnee steht man darin am sichersten — und am wärmsten.

Drei Tage vor dem ersten Konzert steht auf der Wiese an der Bergstation noch nichts ausser Schnee. Dann kommen die Pistenfahrzeuge. Sie walzen eine Fläche, so gross wie zwei Fussballfelder, schieben einen Wall auf, der später der Zuschauerhang sein wird, und machen den Boden so hart, dass ein Lastwagen darauf fahren könnte. Lastwagen fahren aber keine. Alles, was auf diesem Berg eine Bühne werden soll, kommt mit der Gondel herauf, Kabine für Kabine.
Luca ist Produktionsleiter des Snow Sound Festivals, und er hat für diese drei Tage einen Plan, der aussieht wie ein Fahrplan der SBB. Wann welche Traverse in welcher Kabine nach oben fährt, wer sie oben in Empfang nimmt, wo sie hingeschleppt wird. Die Lautsprechertürme kommen in Teilen, die Bühnenplatten einzeln, das Lichtpult in einer gepolsterten Kiste, die zwei Leute auf dem Schoss halten. «Ein Festival im Tal baut man in einem Tag auf», sagt Luca. «Hier oben brauchen wir drei. Und wir beten jeden davon um gutes Wetter.»
Im letzten April hatten sie Glück. Drei Tage Sonne, Nächte mit minus fünf Grad, und Schnee, der noch so gut war, dass die meisten Besucher den Vormittag auf der Piste verbrachten und erst am Nachmittag in Skischuhen vor die Bühne stapften.
Das Festival gibt es seit elf Jahren. Angefangen hat es mit einer Band aus dem Dorf, die zum Saisonschluss auf der Terrasse der Mittelstation spielte, vor zweihundert Leuten und einer Bierbank. Heute sind es drei Bühnen, sechzig Konzerte und Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz. Die Grösse hat das Festival trotzdem nicht verändert, sagt Luca, jedenfalls nicht im Kern. Die Bands spielen ohne Gage-Wettrüsten, die Tickets sind an den Skipass gebunden, und wer abends feiern will, muss tagsüber Ski fahren. So war es gedacht, und so soll es bleiben.
- Höhe der Hauptbühne
- 2000 mHöhe der Hauptbühne
- Bühnen, drei Tage, ein Tal
- 3Bühnen, drei Tage, ein Tal
- Beim letzten Konzert, um Mitternacht
- −5 °CBeim letzten Konzert, um Mitternacht

Kabel bei minus zehn Grad
Die grösste Herausforderung ist nicht die Höhe, sondern die Kälte. Kabel werden steif und brechen, wenn man sie knickt. Akkus verlieren in der Nacht die Hälfte ihrer Kraft. Instrumente verstimmen sich zwischen Soundcheck und Konzert, weil die Temperatur um zehn Grad fällt. Nina ist Tontechnikerin und arbeitet seit fünf Jahren am Festival. Sie wickelt jedes Mikrofonkabel nach dem Soundcheck in eine Wärmedecke und lagert die Funkstrecken in einer beheizten Kiste neben dem Pult. «Im Tal hast du andere Probleme», sagt sie. «Hier oben ist jedes Problem kalt.»
Die Musiker kennen das inzwischen. Gitarristen spielen mit Handschuhen, bei denen die Fingerspitzen abgeschnitten sind. Die Schlagzeuger wärmen die Felle vor dem Auftritt mit einem Heizstrahler. Und die Sängerinnen trinken Ingwertee mit Honig, den das Hotel Bergkristall literweise in Thermoskannen hinter die Bühne bringt. Und niemand beschwert sich. Es ist ein Festival, das man hört, aber auch eines, bei dem man sieht, wie viel Einsatz in jedem Ton steckt.
Hinter der Bühne gibt es einen Raum, den alle nur die Wärmestube nennen. Es ist ein ehemaliger Materialraum der Bergbahn, mit einem Holzofen, einem Sofa, das schon bessere Tage gesehen hat, und einem Tisch voller Thermoskannen. Hier wärmen sich die Musiker vor dem Auftritt, die Techniker nach dem Abbau und manchmal auch ein Pistenpatrouilleur, der zufällig vorbeikommt. Man trifft sich zwischen Menschen, die sich sonst nie begegnen würden: ein Schlagzeuger aus Berlin, ein Pistenfahrzeugfahrer aus dem Tal, eine Sängerin aus Lausanne. Geredet wird über das Wetter. Hier oben ist das kein Smalltalk.


Ein Publikum in Skischuhen
Wer zum ersten Mal hier ist, erkennt man an den Schuhen. Die Erfahrenen kommen in Skischuhen, weil sie direkt von der Piste kommen und weil Skischuhe auf hartem Schnee den besten Halt geben. Die anderen versuchen es mit Turnschuhen und wechseln nach einer Stunde in die Moonboots, die der Festivalshop für genau diesen Moment verkauft. Wer friert, und das sind nach Sonnenuntergang fast alle, holt sich am Stand der Dorfsennerei eine Portion Raclette, das direkt vom Laib auf das Brot geschabt wird. Getanzt wird trotzdem, auch wenn es aussieht wie eine Mischung aus Konzert und Polonaise im Tiefschnee.
Das Programm folgt dem Licht. Am Nachmittag spielen die leiseren Bands auf der Sonnenterrasse der Mittelstation, akustisch, mit Blick auf das Tal. Wenn die Sonne untergeht, verlagert sich alles zur Hauptbühne an der Bergstation, und mit der Dunkelheit wird die Musik lauter. Die letzte Gondel ins Tal fährt an Festivaltagen um ein Uhr nachts, und sie ist jedes Mal so voll, dass in den Kabinen weitergesungen wird.
Für den Sonnenberg ist das Festival der Abschluss der Saison, und es fühlt sich auch so an. Die Pisten sind am Morgen hart und werden gegen Mittag weich und sulzig, der Schnee auf den Terrassen schmilzt in der Sonne, und überall stehen Liegestühle, in denen Menschen sitzen, die nicht mehr fahren wollen, sondern nur noch schauen. Viele kommen jedes Jahr, mit Freunden, mit Kindern, manche schon zum zehnten Mal. Für sie ist das Festival kein Ereignis, sondern ein Termin im Kalender, wie Weihnachten. Nur mit Skischuhen.
Im Tal hast du andere Probleme. Hier oben ist jedes Problem kalt — und jedes Konzert ein kleines Wunder.

Der Abend, an dem das Tal mitfeiert
Am letzten Abend ist das Festival nicht mehr nur ein Festival. Die Dorfmusik spielt zur Eröffnung, die Skilehrer fahren mit Fackeln den Hang hinunter, und aus den Hotels kommen auch die Gäste, die eigentlich nur wegen des Schnees gebucht hatten. Um elf Uhr steht das halbe Tal am Zuschauerhang. Als die letzte Band ihren letzten Song spielt, zündet jemand am Rand eine Wunderkerze an, dann noch einer, und am Ende leuchten Hunderte kleine Funken in der Kälte.
Luca steht in diesem Moment nicht vor der Bühne, sondern dahinter, mit einem Funkgerät in der Hand, und schaut auf den Plan für den Abbau. Er beginnt um zwei Uhr nachts. Bis Dienstag muss die Wiese wieder eine Wiese sein, damit die Pistenmaschinen den Hang für die letzte Skiwoche präparieren können. Ob es sich lohnt, all das? Luca lacht. Die Vorverkäufe für das nächste Jahr haben im Dezember begonnen. Die ersten tausend Tickets waren in einer Woche weg.
Ein Festivaltag am Sonnenberg
- 9.00Erste Bahn: Pisten am Vormittag, so lange der Schnee hält.
- 14.00Akustik-Sessions auf der Sonnenterrasse der Mittelstation.
- 18.30Sonnenuntergang, die Hauptbühne öffnet.
- 21.00Headliner an der Bergstation, 2000 m über Meer.
- 1.00Letzte Gondel ins Tal — es wird weitergesungen.
Was es braucht
Das Festival findet jedes Jahr am ersten Aprilwochenende statt, zum Saisonschluss am Sonnenberg. Das Festivalband gilt als Skipass für alle drei Tage. Übernachtet wird im Tal oder, wer früh bucht, im Hotel Bergkristall an der Talstation. Warme Schichten sind Pflicht, auch wenn der Tag sonnig war: Nach Sonnenuntergang fällt die Temperatur auf 2000 Metern innerhalb einer Stunde unter null.
Unser Tipp
In Skischuhen zum Konzert und die Turnschuhe im Spind an der Talstation lassen. Auf dem gewalzten Schnee steht man darin am sichersten — und am wärmsten.
Gut zu wissen
- Wann
- 3. bis 5. April, zum Saisonschluss
- Wo
- Bergstation, Mittelstation und Dorfplatz
- Preis
- Ab CHF 249, Festivalband mit 3-Tages-Skipass
- Letzte Gondel
- An Festivaltagen um 1 Uhr nachts






